
Mineralfutter
Die Basis der Gesundheit
Die Versorgung mit Mineralstoffen ist weit mehr als nur ein Futterzusatz – sie ist der Treibstoff für jeden Stoffwechselprozess. Da unsere heutigen Weideböden oft artenarm und ausgelaugt sind (besonders im Hinblick auf Zink, Selen und Kupfer), reicht Heu allein fast nie aus, um ein Pferd langfristig gesund zu erhalten.
Wenn Mangel chronisch wird
Ein Mangel an essentiellen Mikronährstoffen tut nicht sofort weh. Er beginnt schleichend. Der Körper des Pferdes arbeitet nach einem strengen Prioritätensystem: Er versorgt zuerst die lebenswichtigen Organe. Strukturen wie Haut, Hufe und Bindegewebe stehen am Ende der Versorgungskette und zeigen daher als Erstes Defizite.
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Haut & Fell: Zink und Kupfer sind essenziell für die Bildung von Keratin und Melanin. Fehlen sie, wird das Fell stumpf, ausgebleicht und die Haut verliert ihre Barrierefunktion (Mauke, Ekzem, Pilz).
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Bindegewebe & Sehnen: Ein oft unterschätzter Punkt. Mangan und Kupfer sind notwendig für die Vernetzung von Kollagenfasern. Ein Mangel führt zu schlechtem Bindegewebe, was Sehnenanrisse und Bänderschwächen begünstigt.
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Muskulatur & Nerven: Ohne ausreichend Magnesium und Vitamin E kann der Muskel nicht entspannen. Das Ergebnis ist nicht nur Leistungsschwäche, sondern eine Zellschädigung unter Belastung (Muskelkater, Tying Up) und eine grundlegende nervöse Anspannung.
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Knochen: Calcium und Phosphor sind das Gerüst. Stimmt hier die Balance nicht, entkalkt der Körper die Knochen, um den Blutspiegel zu halten.
Die gefährliche Langzeitfolge
Der schlimmste Schaden des chronischen Mangels zeigt sich oft erst nach vielen Jahren. Die Stoffwechselprozesse laufen ständig auf Sparflamme und im Notbetrieb. Besonders die Insulin-Rezeptoren und die Entgiftungsfunktion der Leber leiden massiv unter fehlenden Spurenelementen wie Zink, Selen und Mangan. Diese ständige Unterversorgung überlastet das System so lange, bis die Toleranzgrenze im Alter überschritten ist. Häufige Folgen dieses metabolischen Verschleißes sind dann Stoffwechselerkrankungen wie Cushing (ECS), Equines Metabolisches Syndrom (EMS) und die Hufrehe, die in den meisten Fällen eine stoffwechselbedingte Ursache hat. Wer heute an Mineralien spart, zahlt die Zeche oft in der Seniorenhaltung mit hohen Tierarztkosten.
Warum das Blut "lügt"
Viele Pferdebesitzer lassen ein Blutbild machen und wiegen sich in falscher Sicherheit, weil alle Balken im "grünen Bereich" sind. Doch das ist ein Trugschluss der Homöostase.
Der Körper versucht unter allen Umständen, die Nährstoffkonzentration im Blut konstant zu halten, da Schwankungen hier lebensgefährlich wären (z.B. Herzstillstand bei Calciummangel).
Um diesen Blutspiegel stabil zu halten, mobilisiert der Körper bei Mangelversorgung seine Depots. Er zieht Zink aus der Haut oder Calcium aus den Knochen.
Im Blut sieht alles normal aus, während die Organe und Speicher bereits leer sind. Ein Mangel wird im Blutbild oft erst sichtbar, wenn das "Kind bereits in den Brunnen gefallen ist" und die Reserven komplett erschöpft sind.
Organisch, Anorganisch & Antagonisten
Die Qualität eines Mineralfutters entscheidet sich an der Darmschranke. Hier herrscht ein ständiger Konkurrenzkampf um die Aufnahmeplätze (Rezeptoren).
Das Problem der Anorganischen Verbindungen (Oxide, Sulfate):
Diese einfachen Salze (z.B. Zinkoxid) zerfallen im Magen schnell in geladene Teilchen.
Im Darm nutzen viele Mineralien (wie Eisen, Mangan, Zink und Kupfer) dieselben Transportwege.
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Ein in Deutschland sehr häufiges Problem ist ein Eisenüberschuss im Grundfutter.
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Eisen und Mangan blockieren die Aufnahme von Kupfer und Zink massiv.
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Oft wird angenommen, dass Pferde ihren Kupferbedarf über Wasserleitungen decken. Das ist falsch. Erstens ist die Menge im Wasser meist zu gering, und zweitens wird selbst dieses bisschen Kupfer durch das Übermaß an Eisen im Heu an der Aufnahme gehindert (Sekundärer Mangel).
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Anorganische Zusatzstoffe haben gegen diese "Eisen-Übermacht" keine Chance und werden oft ungenutzt wieder ausgeschieden.
Die Lösung: Organische Verbindungen (Chelate):
Hier wird das Mineral (z.B. Kupfer) chemisch fest an eine Aminosäure (Eiweißbaustein) gebunden. Das nennt man Chelat.
Der Körper erkennt das Molekül nicht als Mineral, sondern als Aminosäure. Es nutzt den Transportweg für Eiweiße (den "VIP-Eingang"), um in die Blutbahn zu gelangen.
Diese organischen Verbindungen umgehen die Konkurrenz im Darm. Sie werden auch bei einem Eisenüberschuss im Heu sicher aufgenommen. Daher sind Chelate (z.B. Kupferglycinat) in hochwertigen Futtermitteln unverzichtbar.
Woran erkenne ich ein gutes Mineralfutter
Ein Blick auf das Etikett verrät mehr als die bunte Werbung. Ein gutes Mineralfutter erkennst du an folgenden Punkten:
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Organische Komplexe (Chelate): Achte darauf, dass die essenziellen Spurenelemente (Zink, Kupfer, Mangan, Selen) zu einem hohen Anteil als "Chelat" oder "organisch gebunden" deklariert sind.
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Verzicht auf "billige Masse": Hochwertige Mineralfutter brauchen keine Unmengen an Zucker (Melasse) oder Weizenkleie als Füllstoff. Funktionale Trägerstoffe wie Leinsamen oder Kräuter sind dagegen sinnvoll.
