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Magenprobleme

Der stille Schmerz

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Der Pferdemagen ist ein biomechanisches Wunderwerk, das auf das Leben in der Steppe ausgelegt ist = Dauerfressen. Anders als wir Menschen produziert das Pferd rund um die Uhr Magensäure – unabhängig davon, ob Futter kommt oder nicht. Wenn dieser Säurefluss auf einen leeren Magen oder Stress trifft, beginnt ein schmerzhafter Teufelskreis.

 

Warum der Magen so empfindlich ist

Um das Problem zu verstehen, muss man die Zweiteilung des Pferdemagens kennen:

  • Der untere Teil (Drüsenschleimhaut): Dieser Bereich ist robust. Er produziert die Säure und ist von einer dicken Schutzschicht bedeckt, die ihn vor der eigenen Säure schützt.

  • Der obere Teil (drüsenlose Schleimhaut): Dieser Bereich ist ungeschützt. Er besitzt keine Schutzschicht gegen Säure.

  • Das Problem: In der Natur ist der Magen immer mit faserreichem Futterbrei gefüllt, der die Säure bindet und schwappen verhindert.

  • Die Realität: Das Problem beginnt bereits bei Fresspausen. Wenn der Magen leer läuft, sammelt sich die aggressiv produzierte Säure am Boden. Da kein Heu da ist, um sie zu puffern oder aufzusaugen, steigt der Säurespiegel an und greift die ungeschützten Magenwände an. Wird das Pferd nun mit diesem leeren, säuregefüllten Magen auch noch bewegt, schwappt die Säure wie in einem halb vollen Wasserglas massiv gegen die empfindlichen oberen Wände und verursacht schmerzhafte Verätzungen.

 

Die Ursachen

Magengeschwüre sind meist Menschengemacht, können aber auch biologische Ursachen haben:

  • Fresspausen von über 4 Stunden sind kritisch. Der Magen läuft leer, die Säure greift die Wände an.

  • Faktor Nr. 1. Stress (Training, Hängerfahren, unruhige Herde, Turniere) führt zur Ausschüttung von Cortisol. Cortisol reduziert die Durchblutung der Magenschleimhaut und hemmt die körpereigenen Schutzmechanismen.

  • Große Mengen Getreide werden im Magen zu flüchtigen Fettsäuren vergoren. Diese machen das Milieu noch saurer und greifen die Schutzbarriere an.

  • Ein oft unterschätzter Faktor sind Parasiten. Magendassellarven oder bestimmte Würmer heften sich an die Magenwand. Sie verletzen die Schleimhaut mechanisch, verursachen Entzündungen und öffnen so Tür und Tor für die Säure, die das Gewebe weiter schädigt.

  • Die längere Gabe von Schmerzmitteln (wie Phenylbutazon oder Metacam) kann die Schutzschicht des Magens zerstören.

 

Wie erkennt man Magenprobleme?

Magengeschwüre zeigen sich selten durch klassische Koliken. Die Symptome sind oft diffus ("Silent Ulcers") und werden häufig als "Rittigkeitsprobleme" oder "Unarten" missverstanden.

Verhaltensänderungen:

  • Koppen: Dies ist oft keine Unart, sondern ein Hilferuf! Durch das Koppen wird die Speichelproduktion angeregt. Speichel enthält Bicarbonat, welches basisch wirkt und die Magensäure puffert. Das Pferd versucht also oft instinktiv, seine Bauchschmerzen zu lindern (Selbstmedikation).

  • Gurtzwang: Das Pferd legt die Ohren an, schnappt oder tritt beim Angurten (der Gurt drückt indirekt auf den schmerzenden Magenbereich).

  • Aggression beim Putzen: Abwehrreaktionen beim Bürsten der Bauchregion oder der Flanken.

  • Leerkauen & Zähneknirschen: Zeichen von Schmerz und Stress.

  • Gähnen: Häufiges, tiefes Gähnen (oft fälschlich als Müdigkeit interpretiert) ist ein starkes Indiz für Magenprobleme.

Fressverhalten & Körper:

  • Selektives Fressen: Das Pferd frisst langsam, macht Pausen während der Heuaufnahme, tunkt das Heu in wasser oder lässt Kraftfutter übrig.

  • Gewichtsverlust: Trotz Futter nimmt das Pferd ab, wirkt "aufgezogen" in der Flanke.

  • Stumpfes Fell: Der Glanz verschwindet.

Beim Reiten:

  • Triebigkeit (das Bein drückt gegen den schmerzenden Bauch).

  • Schlechtes Bergabgehen.

  • Festmachen im Rücken (der Magen hängt an der Wirbelsäule, Schmerz dort führt zu Verspannungen im Rücken).

 

Wichtig: Eine sichere Diagnose liefert nur die Gastroskopie (Magenspiegelung) durch den Tierarzt.

 

Behandlung und Management

Wenn das Pferd Magengeschwüre hat, ist oft eine medikamentöse Kur (z.B. Omeprazol) nötig, ziehe unbedingt deinen Tierarzt zu Rate. Doch Medikamente bekämpfen nur das Symptom, nicht die Ursache.

Das Management muss sich dauerhaft ändern:

  1. Raufutter, Raufutter, Raufutter: Das Pferd darf keine langen Fresspausen (mehr als 4h) haben. Der Speichel, der beim Kauen von Heu entsteht (Bicarbonat), ist der einzige natürliche Säurepuffer des Pferdes.

  2. Kein Getreide: Stärkehaltiges Kraftfutter sollte bei Magenpferden komplett gestrichen werden. Nur wenn eine Zufütterung wirklich notwendig ist, ersetze den zusätzlichen Energiebedarf durch Öl (immer in Absprache mit einem unabhängigen Ernährungsberater für Pferde) oder magenschonende Fasern (Rübenschnitzel, Reiskleie).

  3. Die "Reit-Regel": Reite niemals auf leeren Magen! Lass dein Pferd ca. 20–30 Minuten vor dem Reiten Heu fressen.

  4. Prioritäten setzen: Für ein Magenpferd sind Hängerfahrten, fremde Umgebungen und die Turnieratmosphäre pures Gift (Stresshormone). Wer sein Pferd liebt, verzichtet auf Turniere und Auswärtstrainings. Gesundheit geht vor Ehrgeiz.

  5. Haltung optimieren: Eine gut geführte Offenstallhaltung ist der Box vorzuziehen, da die ständige freie Bewegung Stress abbaut und die Verdauung anregt. Der Offenstall muss stressfrei gestaltet sein! Das bedeutet: Eine stabile Herdenzusammensetzung, ausreichend Fressplätze (damit kein Futterneid entsteht), genügend trockene Schlafplätze für alle Pferde gleichzeitig und viele Ausweichmöglichkeiten, damit rangniedrige Tiere nicht getrieben werden. Ein überfüllter oder schlecht gemanagter Offenstall ist für Magenpferde schlimmer als eine Box.

  6. Entwurmung: Sorge für ein gezieltes Parasitenmanagement (Kotproben/Entwurmung), um Dasselfliegen und Würmer als Ursache auszuschließen.

 

Der Magen ist der Indikator für das Wohlbefinden. Ein Pferd mit Magenschmerzen kann nicht losgelassen laufen. Die beste Medizin ist gutes Heu und ein stressfreies Umfeld.

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